Anfang des Jahres konnte die Krebsallianz das hochwirksame und von der Firma Bayer entwickelte Medikament „Nexavar“ armen Krebspatienten in Ghana, den Philippinen, Moldawien, El Salvador, Guatemala, Honduras, die Dominikanische Republik und Nikaragua zur Verfügung stellen und damit viele Leben retten.
Zwei dieser Patienten haben wir im Juni in Guatemala und Honduras besucht.
Einer der Patienten ist Santos Garridos, den wir im Instituto National de Cancerologia in Guatemala City treffen.
Er ist ein sehr schüchterner und bescheidener Mann, der den Kampf seines Lebens führen muss: vor etwa einem Jahr wurde bei ihm Darmkrebs festgestellt und jetzt hat er auch Metastasen in der Leber.
Santos war nie verheiratet und lebt bei seiner Schwester und deren Familie. Er hat sein ganzes Leben als Landarbeiter auf den Feldern geschuftet. Er ist spindeldürr und sein Gesicht und die starken Hände sind von seinem Leben in der Natur gezeichnet.
Zehn Monate hat er tapfer eine Runde Chemotherapie nach der anderen über sich ergehen lassen. Das waren harte Zeiten.
Offensichtlich hat der Krebs seinen Tribut an seinem Körper gefordert – aber finanziell hat er einfach alles aufgefressen, was da war. Am Anfang und ohne Krankenversicherung, wurde Santos in einer privaten Klinik behandelt. Das hat schnell seine ganzen Ersparnisse aufgebraucht und auch das Geld, das die Schwester erübrigen konnte. Aber selbst als er sehr geschwächt war, bestand er darauf, im Büro der Finca auf Teilzeitbasis weiter zu arbeiten. Er sagt, dies sei „das Wenigste, was ich tun kann – neben meiner Therapie“.
Santos ist jetzt als Patient im Öffentlichen Krankenhaus „Instituto National de Cancerologia“ in Guatemala Stadt. Dort ist inzwischen sein zweites Zuhause, beim Pflegepersonal und den Ärzten. Und schließlich, nach 10 Monaten intensiver Chemotherapie, entschied sein behandelnder Arzt, dass sein Körper einer weiteren Chemotherapie nicht standhalten würde. Da wussten die Ärzte schon, dass das effektivste Mittel eine Behandlung mit Nexavar sein würde.
Nexavar ist ein sehr fortschrittliches und gezielt wirkendes Medikament, welches eine hilft Tumore zu verkleinern oder zumindest das Wachstum zu verlangsamen oder zu stoppen. In Guatemala ist es schwer zu bekommen, aber Gottseidank konnte die Krebsallianz dem Krankenhaus in Guatemala das Therapeutikum kostenlos für dessen mittellose Patienten zur Verfügung stellen.
Santos nimmt das Medikament nun schon einige Monate und fühlt sich besser. Und ganz erleichtert erzählt er uns, dass die Nebenwirkungen minimal waren. Das motiviert ihn, denn so sagt er: „Mit dieser Medizin kann ich meine Krankheit angehen und weiß, dass ich gesünder sein werde und ein besseres Leben führen kann.“
Mirna Bonegas Almendarez besuchen wir im Hospital Emma Romero in der Hauptstadt von Honduras, Tegucigalpa.
Mirna ist sehr still und ihre 19-jährige Tochter hilft dabei, ihre Probleme zu schildern. Obwohl scheu und sehr ernsthaft wird Miran langsam gesprächiger. Ihr Leben ist hart, aber sie ist freundlich und sanft – und innig geliebt von ihrer Familie.
Die Familie ist arm. Mirna’s Mann Juan arbeitet auf einem Landgut bei ihnen zuhause, außerhalb des Ortes Olancho. Sie haben fünf Kinder zwischen elf und neunzehn Jahren und die älteste Tochter Sadie ist heute mit der Mutter mit gekommen.
Mit ihrer Hilfe erzählt Mirna ihre Geschichte. Vor zwei Jahren fing sie an Schmerzen in ihrer rechten Seiten zu spüren. Nachdem sie es so lange wie möglich versucht hatte zu ignorieren, musste sie schließlich doch zum Arzt. Die Schmerzen wurden Gallenkrankheit diagnostiziert.
Ein Jahr und acht Monate nachdem die Schmerzen das erste Mal aufgetreten waren bekam sie einen Termin für eine Operation. Dieser Eingriff war schon lange vorher empfohlen worden – aber Mirna und ihr Mann konnten sich die Operation nicht leisten. Schließlich konnten die Ärzte sie einem Team freiwilliger Chirurgen aus Amerika vorstellen und sie wurde für eine kostenlose Operation angenommen. Und so, völlig unvorbereitet auf etwas noch Schlimmeres ging sie in den OP.
Aber nichts war wie erwartet. Als die Ärzte ihre Galle entfernt hatten, entdeckten sie etwas noch viel Schlimmeres und Lebensbedrohlicheres: ein großer, bösartiger Tumor in ihrer rechten Niere. Sofort wurde die Niere ebenfalls entfernt. Mirna hatte einen Schock, als sie aufwachte und die Familie große Angst. Niemand konnte sich vorstellen wie das weiter gehen sollte und wie die weitere Behandlung bezahlt werden sollte.
Bestrahlung und Chemotherapie waren die Mittel der Wahl für eine vollständige Heilung. Der Krebs hatte keine Metastasen gebildet und sie war die perfekte Patientin für eine Weiterbehandlung mit dem gezielt und hoch wirksamen, von der Firma Bayer hergestellten Mittel Nexavar. Da es aber in Honduras nicht verfügbar und teuer war, schien diese Möglichkeit in weiter Ferne.
Mirna konnte zunächst nur Bestrahlungen im Krankenhaus in Tegucigalpa bekommen. Aber während dieser Behandlung kam die gute Nachricht: Die Krebsallianz hatte Nexavar nach Honduras gespendet und dem Krankenhaus Emma Romero zur Behandlung armer Patienten mit Leber- und Nierenkrebs zur Verfügung gestellt.
Mirna sagt: „Als ich zuerst von dem Krebs erfuhr, habe ich gebetet – weil ich dachte, dass meine Kinder noch so jung sind und mich noch brauchen. Dann kam diese Medizin und meine Gebete wurden erhört, Wenn es die Hilfe von all den fremden Menschen und Organisationen wie der Krebsallianz nicht gegeben hätte, wäre ich tot“.
Nachdem ihre Bestrahlungen zu Ende waren, begann sie die Behandlung mit Nexavar und es geht gut: Sie fühlt sich wohl und spürt keine Nebenwirkungen. Die Therapie wird 6 Monate fortgesetzt und die Ärzte sind optimistisch. Mirna zeigt ihre Erleichterung auf ihre ernste Art und freut sich darauf, für ihren Mann, ihre Kinder und Enkelkinder da sein zu können.







